top of page

Systemisches Coaching: Du bist nicht dein Verhalten

  • vor 2 Tagen
  • 5 Min. Lesezeit

Du sitzt im Meeting. Jemand sagt einen Satz, und bevor du nachgedacht hast, bist du schon in einer Reaktion, die du zwei Minuten später bereust. Zu scharf, zu defensiv, zu still. Auf dem Heimweg fragst du dich: Bin ich eigentlich so? Oder verhalte ich mich nur so in dieser Situation, mit dieser Person, in diesem Raum?


Diese Frage ist der Anfang von allem. Und sie geht noch einen Schritt weiter. Verhältst du dich so, weil du so bist? Oder bist du so, weil du dich immer wieder so verhältst?



Seit 2005 arbeite ich systemisch mit Führungskräften, Selbstständigen und Unternehmern, in meiner Praxis in Krefeld und online. Ich sage das nicht aus dem Lehrbuch, sondern weil ich es Woche für Woche sehe. Die meisten, die zu mir kommen, sind klug, reflektiert und erfolgreich. Und trotzdem stecken sie an genau einer Stelle fest, an der Nachdenken allein nicht mehr weiterhilft.


Du bist nicht dein Verhalten

Ich sage diesen Satz in fast jedem ersten Gespräch, und ich sage ihn, weil er für die meisten eine echte Erleichterung ist: Du bist nicht dein Verhalten. Was du in der entscheidenden Situation tust, ist nicht dein Charakter, nicht deine Eignung als Führungskraft, nicht das Urteil darüber, wer du als Mensch und Unternehmer bist.

Denk an eine Schachfigur. Sie kann nur die Züge machen, die ihre Rolle erlaubt. Der Läufer läuft diagonal, weil er so gebaut ist, nicht weil er sich das jeden Morgen neu entscheidet. Viele Menschen führen genauso, nach Regeln, die sie irgendwann übernommen haben, aus einer Führungskultur, die sie erlebt haben, aus einem ersten Chef, der Kritik mit Kontrolle verwechselt hat, aus dem Satz „zeig keine Schwäche", der ihnen irgendwann eingepflanzt wurde. Diese Regeln waren einmal der Rahmen. Heute sind sie oft das Hindernis. Mein Job ist, sie gemeinsam mit dir sichtbar zu machen. Dann entscheidest du, welche davon du behalten willst.


Dieselbe Person, ein anderer Raum

Beobachte dich einmal an einem normalen Arbeitstag. Im Gespräch mit Gleichgestellten bist du klar, direkt, überzeugend. Sobald dein Vorgesetzter oder ein wichtiger Kunde den Raum betritt, wirst du vorsichtig, ausweichend, kleiner als du bist. Als Geschäftsführer triffst du hundert Entscheidungen pro Tag, aber die eine, die dich seit Monaten beschäftigt, schiebst du immer noch vor dir her.

Das ist kein Widerspruch und kein Makel. Das ist der Kern. Verhalten ändert sich mit dem Kontext, mit dem Druck und mit den Menschen, die dabei sind. Genau dort setzt systemisches Coaching an. Nicht bei dir als Person. Bei dem System aus Erwartung, Rolle und Situation, in dem du dich gerade bewegst.


Was systemisches Coaching wirklich macht

Systemisches Coaching macht Muster sichtbar. Ich schaue mit dir, wann ein bestimmtes Verhalten auftaucht, wozu es einmal gut war, und ob es dir heute noch dient. Ein Muster, das dich früh in deiner Karriere geschützt hat, kann dich als Führungskraft Jahre später ausbremsen.

Ich hatte eine Klientin, Geschäftsführerin eines mittelständischen Unternehmens. Sobald jemand ihre Entscheidung infrage stellte, wurde sie schroff, fast angriffig, noch bevor sie richtig zugehört hatte. Von außen wirkte das wie Arroganz. Es war keine. Es war eine alte Reaktion aus einem Umfeld, in dem Widerspruch gefährlich war. Als Kind hat sie diese Schaltung geschützt. Als Geschäftsführerin hat sie ihr die besten Leute im Team gekostet. Ich habe ihr das genauso direkt gesagt, denn das ist mein Job. Nicht drumherum reden, sondern die Wurzel zeigen. Wir haben uns das Muster gemeinsam angesehen, es beim Namen genannt, und danach hatte sie zum ersten Mal einen konkreten Hebel in der Hand.


Warum System mehr ist als ein Modewort

Das Wort System kommt aus dem Griechischen, systema, das Zusammengesetzte. Als Sohn griechischer Eltern liegt mir dieser Gedanke besonders nah. Kein Mensch existiert für sich allein. Du bewegst dich in Teams, Unternehmen, Kundenbeziehungen, Märkten. Jede deiner Handlungen löst eine Reaktion bei anderen aus, und deren Reaktion wirkt auf dich zurück, in der nächsten Verhandlung genauso wie im nächsten Mitarbeitergespräch.

Deshalb schaue ich im Coaching nie nur auf dich, sondern auf die Wechselwirkung zwischen dir, deiner Rolle und deiner Funktion im Unternehmen. Veränderst du einen Punkt in diesem Geflecht, bewegt sich das Ganze mit. Das ist kein esoterischer Gedanke. Das ist die einfache Mechanik von Führung und Entscheidung unter Druck.


Womit wir arbeiten

Gutes Coaching braucht kein Seminarraum-Feeling und kein Flipchart mit bunten Pfeilen. Was es braucht, ist ein Gesprächsrahmen, der dich auf Dinge stoßen lässt, die du allein nicht siehst, weil du zu nah dran bist. Dafür nutze ich zirkuläre Fragen, die Perspektiven öffnen, die du bisher nicht eingenommen hast. Aufstellungen, mit Personen oder mit Gegenständen auf dem Tisch, die die Dynamik in deinem Team oder deiner Organisation plötzlich greifbar machen, manchmal erschreckend klar. Und Arbeit mit deiner Biografie als Führungskraft, denn wer du heute im Chefsessel bist, hat immer auch mit dem zu tun, was du auf dem Weg dorthin gelernt hast, richtig oder falsch.

Was wir nicht nehmen, entscheide ich mit dir gemeinsam. Ich verordne keine Methoden. Ich passe den Werkzeugkasten an dich an, nicht umgekehrt.


Der erste Schritt: ein einziger Moment

Bevor du einen Termin buchst, mach Folgendes. Denk an die eine Situation, die dich in den letzten Wochen am meisten beschäftigt hat. Das Gespräch, das schieflief. Die Entscheidung, die du nicht triffst. Der Konflikt, der sich im Kreis dreht. Schreib einen einzigen Satz dazu, nur für dich. Nicht die Analyse, nicht die Lösung, nur die Situation.

Wer diesen Satz aufschreiben kann, hat bereits mehr Klarheit, als er denkt. Und wer merkt, dass ihm selbst dazu nichts Konkretes einfällt, der weiß jetzt, wo wir anfangen.


Wann systemisches Coaching passt, und wann es das falsche Mittel wäre

Systemisches Coaching passt, wenn du weißt, dass du der entscheidende Faktor bist. Nicht der Markt, nicht das Team, nicht die Rahmenbedingungen, sondern du selbst. In einer neuen Führungsrolle, nach einem Einbruch im Unternehmen, in einem Konflikt, der sich nicht von allein löst, oder einfach in dem Gefühl, dass du eigentlich mehr kannst, als du gerade zeigst.

Es ist das falsche Mittel, wenn du Diagnosen oder Therapie brauchst. Bei ernsthaften psychischen Belastungen gehörst du zu einem Arzt oder Psychotherapeuten, und ich sage dir das beim ersten Anzeichen offen und ohne Umwege. Coaching setzt voraus, dass du handlungsfähig bist und bereit, Verantwortung zu übernehmen. Was danach entsteht, ist dann wirklich deins.


Du willst wissen, welches Muster dich unter Druck gerade bremst? Der Selbstcheck zeigt es dir in fünf Fragen, in zwei Minuten.





Lieber direkt sprechen? Das Erstgespräch dauert dreißig Minuten, kostet nichts, und du erfährst ehrlich, ob und wie ich dir helfen kann.





Häufige Fragen

Was ist der Unterschied zwischen systemischem Coaching und Therapie? Therapie behandelt Krankheiten und arbeitet oft an der Vergangenheit. Systemisches Coaching arbeitet mit gesunden, handlungsfähigen Menschen an konkreten Themen im Hier und Jetzt, an Mustern, Rollen und Entscheidungen. Bei klinischen Themen verweise ich dich an einen Arzt oder Psychotherapeuten.


Wie viele Sitzungen brauche ich? Weniger, als die meisten erwarten. Ich arbeite als Kurzzeitcoach, kein jahrelanger Prozess, keine Pakete. Wir identifizieren das Muster, du bekommst einen konkreten nächsten Schritt, und ob und wann du wiederkommst, entscheidest ausschließlich du.


Für wen ist systemisches Coaching geeignet? Für Führungskräfte, Selbstständige und Unternehmer, die nach außen funktionieren und innerlich an einem Punkt nicht weiterkommen. Für alle, die vor einer wichtigen Entscheidung stehen oder in einer Rolle feststecken, die sich nicht mehr richtig anfühlt. Vorerfahrung mit Coaching brauchst du keine.

 
 
 

Kommentare


bottom of page